Wenn Elche über’s Wasser laufen

Ja, es fühlte sich an wie ein Wunder. Wie ein wunderbarer Traum. Tief verschneites Norwegen. Die dünnen Tannen wie mit dicken Zuckerguß bepackt, dicht an dicht. Absolute, andächtige Stille. Nur der Schnee knirscht unter den Füßen. Eiskalte Luft strömt in die Lungen, rote Muster tanzen vor den geschlossenen Augenlidern, die Sonne durchdringt die Kälte und legt sich wie ein warmes Tuch auf mein Gesicht. Ich wage kaum die Augen zu öffnen. Denn da liegt sie vor mir. Die zauberhafteste Winter-Seenlandschaft, die ich wohl je gesehen habe. Vollendete Kurven, wo sich das Land aus dem Wasser hebt. Verstreut kleine Schatzsucherinselchen. Auf manchen nur Platz für ein Bäumchen. Sofort überwältigt mich der kindliche Entdeckertrieb. Diese Inseln müssen, ja sie wollen unbedingt erkundet werden. “Auf geht’s Mädels, wir sind auf Expedition.” Die Seen meterdick gefroren. Die völlig glatte, weiße Fläche wird nur durch wenige Elch- und Langlaufspuren durchschnitten. Und nun legen wir eine neue Spur ins Weiß. Völlig allein. Die Kinder auf dem Schlitten. Mama und Papa stapfen, ziehen und staunen. Immer wieder drehe ich mich ungläubig im Kreis. Unglaublich. Purer Zauber.
(Christian, Jan. 2018)

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