ABOUT CHRISTIAN

Faszinierter, stolzer und erfüllter Patchworkfamilienvater. Zutiefst dankbarer Ehemann. Leidenschaftlicher Alpinist und Reisender. Hadert mit der Vereinbarkeit von Familie, Beruf und individuellen Bedürfnissen.

[English Version]

Über Splitboarding und mein Interesse darüber zu bloggen.

20150803_172056Ich liebe die Berge. Ich bin leidenschaftlicher Splitboarder, aber auch im Sommer liebe ich es die Berge zu erkunden, Wege zu finden, mich selbst zu überwinden und letztlich führen die Weg nicht nur auf Gipfel, sondern auch zu mir selbst. Dann genieße ich die Aussicht und fühle mich lebendig, so lebendig wie sonst nur selten im Leben.

Nun handelt mein erster Blog-Post (Sport ist Mord) vom Surfurlaub in Frankreich. Hat mit Bergen erstmal wenig zu tun? Stimmt, aber das Bergsportthema steht auch sinnbildlich für das Thema Leidenschaft und Vereinbarkeit, und da passt auch der Surfurlaub gut rein.

Was ist es, was mich motiviert hier den ursprünglichen Blog meiner Frau mit meiner persönlichen Perspektive des Bergsports zu ergänzen? Der Blogtitel weist schon in die richtige Richtung: die kleinen Schätze des Lebens. Es ist ein demütiger, bescheidener Titel. Eine Untertreibung. Schließlich geht es um unsere Familie, unser Leben auf dem Land, in den Bergen, in freundlicher Nachbarschaft und in unserem geliebten Haus. Es geht also eigentlich um Kostbarkeiten. Dazu zählen auch kulinarische Köstlichkeiten und Reisen in nahe Regionen und ferne Länder. Es geht um das behütete Aufwachsen unserer Kinder. All das sind die wertvollsten Schätze, die wir aktuell im Leben haben, solange wir nicht direkt von Krankheit, Krieg oder finanzieller Not bedroht sind. Diese Schätze finden sich oft im Detail in unscheinbaren Kleinigkeiten im Alltag wieder. Gleichzeitig nehmen wir sie viel zu schnell als selbstverständlich hin. Und manchmal treten wir nicht genügen dafür ein.IMG_3522

Wenn wir von unseren Schätzen berichten, dann sollte auch das Ringen darum einen Platz bekommen. Vereinbarkeit ist für mich in den letzten Jahren ein zentrales Thema im Leben geworden. Wie kann man die Bedürfnisse jedes Einzelnen, aller Familienmitglieder, das „Ich“ und das „Wir“ unter einen Hut bekommen? Natürlich spielen auch Job und Privatleben, Freizeit und Finanzielles eine Rolle. Selbst Themen wie ökologische, politische und gesellschaftliche Verantwortung, beinhalten für mich zentral das Thema Vereinbarkeit. Je länger ich darüber nachdenke desto komplexer wird es, deswegen beschränke ich mich vorerst auf das Thema Bergsport. Hauptsächlich und sinnbildlich.

Ich glaube fest daran, dass in jedem von uns ein Feuer brennt. Dieses Feuer ist an sich schon ein wertvoller Schatz. Sein Licht kann aber darüber hinaus auch die anderen Schätze erleuchten, ins Licht rücken und dadurch leichter kenntlich machen. Es ist das Feuer das uns lebendig macht, uns antreibt, uns den Weg weisen kann.

Insbesondere in einer immer schnelllebigeren Welt und in einem zeitlich als eng erlebten Korsett von Familien-, Berufs- und Individualleben, erscheint es mir umso wichtiger, die Flamme nicht ausgehen zu lassen und die kleinen Schätze vom Alltag verschütten zu lassen. Was ist mir wirklich wichtig? Wofür brenne ich? Was ist meine Leidenschaft? Und wie lässt sich das Alles vereinbaren?

Ich liebe meine Frau und Kinder, unbeschreiblich. Sie sind für mich das Wichtigste im Leben. Doch auch wenn es beruflich und familiär gut laufen sollte, gibt es in mir Bedürfnisse, die darüber hinausgehen. Auf die Frage wie es mir geht, antworte ich dann: „Ich kann mich nicht beschweren.“ Allein die Liebe für meine Frau und Kinder reicht aber aus meiner Sicht nicht für ein erfülltes Leben und letztlich auch nicht für ein zufriedenes Familienleben. Es klappt nicht, wenn die Selbstliebe fehlt. Ja, das klingt jetzt in manchen Ohren vielleicht egoistisch. Selbstlosigkeit ist ein hoher Wert, auch für mich. Aber Selbstaufopferung, davon hat niemand etwas! Die Kinder nicht, die Frau nicht und ich, auch wenn ich mich moralisch damit überlegen fühlen kann, auch nicht. Immer wieder in einer Familie die Balance zu finden zwischen Privat- und Berufsleben, zwischen Fünf-/Vier-/Zwei- und Einsamkeit ist aus meiner Sicht die große Herausforderung, vor der jede Familie und alle ihre Mitglieder stehen. Hier gibt es kein richtig oder falsch, es gibt keinen Paradeweg, keine Standardlösung. Zurückstecken muss immer jemand, ohne Kompromisse geht es nicht. Es ist ein, manchmal schmerzhafter, Prozess. Ein Mobile der Bedürfnisse, immer in Bewegung. Und es ist die Pflicht der Eltern (zumindest bei kleinen Kindern) hier immer wieder auf Ungleichheiten oder Ungerechtigkeiten zu achten. Auch dabei werden die Sichtweisen, die Einschätzungen nie ganz deckungsgleich sein. Somit geht es um einen ständigen oder zumindest wiederkehrenden Aushandlungsprozess. Hört sich unangenehm, unromantisch an? Jup, ist es auch! Aber wenn man als Familie zumindest vorübergehend eine gewisse Einigkeit erreichen konnte, dann kann es für einige Zeit oder auch dauerhaft recht harmonisch laufen. Und eins ist für mich klar: ohne diesen Prozess geht es nicht bzw. manövriert man sich langfristig in eine schwierige, manchmal sogar ausweglose Situation. Wir haben aus meiner Sicht zurzeit eine ganz gute Balance gefunden. Nothing is perfect, aber es klappt doch recht gut.IMG_3495

Um sich also seine eigenen kleinen Schätze zu erhalten, muss man auch ein wenig kämpfen und sich auf Prioritäten konzentrieren. Meine Priorität in diesem Zusammenhang ist das Bergsteigen. Hauptsächlich im Winter, aber natürlich auch zu allen anderen Jahreszeiten. Es ist ein Geschenk, ein Schatz, eine Quelle, ein Reservoir von Lebensfreude. Ohne diesen Ausgleich würde meine Balance zwischen den eigenen Bedürfnissen, dem Familienleben und den Erforderlichkeiten des Berufslebens völlig aus dem Gleichgewicht geraten. Es würde mich langfristig wohl krank oder zumindest sehr unzufrieden machen. Es ist neben der Familie meine große Leidenschaft, die mein Leben einerseits zusätzlich (zu beruflichen Erfolg und den wunderbaren Momenten des Familienlebens) und andererseits völlig eigenständig bereichert. Es ist der Ort an dem ich Kraft tanke. Es sind die Erlebnisse und Erinnerungen von denen ich tagelang zehren kann. Es trägt einen großen Teil zu einem erfüllten Leben bei. Aus heutiger Sicht: wenn ich kurz vor dem Tod mein Leben Revue passieren lasse, dann werde ich nicht meine beruflichen Erfolge oder das Geld auf meinem Konto zählen, sondern mir die wunderschönen Erlebnisse mit meiner Familie, mit meiner Frau und meinen Kindern und meine Berg- und Reiseerlebnisse auf der Zunge zergehen lassen.013

An dieser großen Leidenschaft, will ich Euch da draußen über Bilder, Texte und Fakten fragmentarisch teilhaben lassen. Vielleicht brennt dasselbe Feuer in Euch? Vielleicht ringt Ihr mit denselben Konflikten? Oder ihr sitzt genauso gerne am Feuer wie ich und beobachtet die flimmernde Glut und das Farben- und Formenspiel der Flammen. Stetig in Bewegung, nie ganz gleich, sich stetig verändernd, ansteckend. Prachtvoll, voller Kraft, Energie und Schönheit. Gefährlich und unberechenbar. Verletzlich und voraussetzungsvoll. Alles andere als selbstverständlich. Es hat einen Spannungsbogen, mit mehreren Akten und es ist letztendlich, vergänglich. Wie das Leben…

Ganz schön deeper shit, oder?

Einfach ausgedrückt:

Hey, habt einfach Spaß an der Faszination Berge!