Bergsteigen mit Kindern 1/2017

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Unsere Kinder haben dieses Frühjahr begonnen, ausgewählte Bergtouren, aus eigener Kraft zu bewältigen. Soll heißen: Schluss mit Tragen bzw. nur noch in absoluten Ausnahmefällen. Die Kraxen für die Kinder haben wir gleich zuhause gelassen. Die Sorge, dass wir dadurch nur noch klitze-kleine Spaziergänge in den Bergen erleben könnten, hat sich auf zauberhafte Weise nicht bestätigt. Vielmehr haben wir an den letzten beiden Wochenenden richtig schöne Bergtouren mit den Kindern erleben dürfen. Eine davon möchten wir Euch hier näher vorstellen:

Zwei-Tages-Tour auf die Tappenkarseehütte im Salzburger Land

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Fakten
Ort: Kleinarl/Wagrain/Radstädter Tauern/Salzburger Land
Start: Wanderparkplatz Nähe Schwabalm (am hübschen Jägersee mit Gasthaus vorbei auf der Schotterstraße bis zur Materialseilbahn die zum See hinauf führt)
Strecke: 5km, 620hm, 3-5 Std. (mit Kindern), ausgebauter Wanderweg über zahlreiche Serpentinen
Übernachtung/Einkehr: Tappenkarseealm (privat), Tappenkarseehütte (ÖAV)

Weil zu Beginn der Pfingstferien natürlich die Autobahnen verstopft waren, brauchten wir fast doppelt so lange mit dem Auto als geplant. Hier würde sich auch eine Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln lohnen. Mit der Bahn bis St. Johann im Pongau und von dort fährt ein ÖBB-Postbus bis zum Jägersee. Allerdings muss man dann noch mindesten eine Stunde länger bis zur Schwabalm rechnen (mit Kindern eher 2-3 Stunden). Entlang eines wunderschönen Baches, aber auf einer relativ langweiligen Forststraße die auch von Autos befahren wird. Wir waren froh, mit dem Auto bis zum Wanderparklatz fahren zu können. Insbesondere weil das Wetter am Nachmittag auch nicht ganz solide erschien.
Vom Jägersee aus kann man den Aufstieg am Talsschluss schon gut erahnen. Geprägt wird dieser von einem beeindruckenden, mehrteiligen Wasserfall. Auf diesen läuft dann auch der gut ausgebaute Wanderweg in zahlreichen Serpentinen zu und kommt ihm an einer Stelle sehr nah.

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Es gibt zahlreiche Bänke zum Verweilen. Die Strecke ist leider stark frequentiert. Klar, bei der Schönheit der Umgebung und dem relativ leicht zu erreichenden Ziel. Das Highlight ist natürlich der bezaubernde Tappenkarsee, an dessen Ufer wir nach ca. 3 Stunden Aufstieg standen. Von dort aus kann man schon die urig-schöne Tappenkarseealm (privat) erkennen. Der Weg schlängelt sich entlang des glasklaren Sees.

Hätte es ein paar Grad mehr gehabt und nicht begonnen zu regnen, dann wäre es auch ein einladendes Bad gewesen. So hingegen wurde es im Regen angenehm einsam auf unserem weiteren Weg zur Tappenkarseehütte. Der leichte Regen legte sich wieder und wir beobachteten noch eine Zeit lang die Murmeltiere unterhalb der Hütte.

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Auf der Hütte hatten wir ein gemütliches Vier-Bett-Zimmer (2 Stockbetten). Die Hütte war glücklicher Weise nur zur Hälfte belegt, was den Aufenthalt für uns wesentlich entspannte. Die Wirtsleute sind sehr nett und aufmerksam. Wir haben uns sehr wohl gefühlt und sind um kurz nach 20 Uhr ins Bett gegangen. Endlich mal ausschlafen.
7 Uhr Frühstück. Da das Wetter an diesem Tag nach Mittag noch schlechter vorhergesagt war, starteten wir direkt 8 Uhr. Nach einem kleinen Umweg zu einer Brücke über den Bach, ging es auf selbem Wege, gemächlich zurück.

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Bis zur Tappenkarseealm waren wir wieder fast alleine unterwegs. Ab der Alm nahmen die anderen Wanderer wieder zu.
Spannend ist auch die Versorgung der Hütte. Vom Tal führt die Materialseilbahn hinauf bis auf Höhe des Sees. Dann wird ab dem See mit einem Boot über den See übergesetzt, um dann wieder mit einer kürzeren Materialseilbahn bis zur Hütte zu transportieren.

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Nach knapp 4 Stunden kamen wir am Auto an und kehrten, als die ersten Tropfen schon fielen in das Gasthaus am Jägersee ein. Kurz darauf donnerte und hagelte es los und goß aus Eimern. Das Gasthaus und vor allem der Platz am See sind wirklich eine Perle, wenn es nicht völlig überlaufen wäre. Wir haben uns deswegen nur mittelmäßig wohl gefühlt und würden das beim nächsten Mal auslassen.

Fazit: über lange Strecken keine einsame, aber wirklich wunderschöne Tour. Für unsere Kinder (4 Jahre) war diese aus eigener Kraft zu meistern.

 


Tipps wie Kinder mehr Spaß am Bergsteigen bekommen
(Dieser Teil enthält Affiliates zu ausgewählten Produkten die wir nutzen)

Hier noch ein paar ganz persönliche Tips, wie wir unsere Mädchen zum selbstständigen Laufen und Bergsteigen ermutigen. Vielleicht greifen ja einige der Punkte auch bei euren Kleinen:

Die Tour sollte auf die Fähigkeiten eurer Kinder abgestimmt sein. Insbesondere was die Strecke, Höhenmeter und Schwierigkeitsgrad betrifft. Um auch bei den Kindern schon die Vorfreude zu steigern, beziehen wir sie bereits bei der Planung der Tour mit ein. Sie gucken sich mit Papa die Karte an und bekommen von schönen Almwiesen, Wasserfällen, Bergseen, der  Hütte/Alm und Tieren erzählt, die sich da evtl. finden lassen.

Wir lassen unsere Kinder ihre eigenen kleinen Rucksäcke (momentan tragen sie 12l Bergans Rucksäcke) mitpacken. Da kommen dann natürlich nur leichte Sachen rein. Z.B. die Regenjacke und -Hose. Wenn sie möchten können sie noch ihr momentanes Lieblings-Pixiebuch oder Kuscheltier mitnehmen. Also nicht nur das Allernötigste, aber auch nicht zu viel. Vor allem weil sie auf dem Weg dann meist gerne noch Souvenirs und Trophäen einsammeln. Sie tragen ihre Rucksäcke 5 Tage die Woche im Waldkindergarten und können sie selbstständig öffnen und schliessen und sich die Brust- und Bauchgurte selber anschnallen. Sprich, ihr Rucksack ist ein klarer Bestandteil von Ihnen und gehört selbstverständlich dazu. Daher mein Tip: Wenn ihr eine Tour mit euren Kindern plant und sie ihre eigenen Rucksäcke tragen sollen, gebt ihnen die Chance sich vorher an sie zu gewöhnen und sich mit ihnen zu identifizieren.

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Die richtige Ausrüstung der Kinder ist wichtig und mitverantwortlich für Spass am Laufen. Leichte, aber stabile und wasserdichte Bergschuhe in denen sie gut Laufen und Springen können und auch mal ein Hopser ins Wasser nicht gleich nasse Füsse beschert, sind notwendig. Wir haben mehrere Bergschuhe für die Kinder. Hier hatten wir halbhohe Bergschuhe von Salewa dabei. Da sollte die Pfütze nicht allzu tief sein.

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Je nach Wetterbericht, kommt mindestens eine Regenjacke in den Kinderrucksack und/oder aber auch eine Regen/Matschhose. Regencover für den Kinderrucksack sollte auch nicht fehlen. Weitere Inhalte im Kinderrucksack sind bei uns: kleiner wasserdichter Ortlieb Packsack mit Wechselunterwäsche, Zahnbürste, lange Wolle/Seide Unterhose und -hemd die gleichzeitig als Schlafanzug in der Hütte benutzt werden, langer gemütlicher Wollpulli. Der leichte kleine Hüttenschlafsack ist mit dabei. Die Mädels haben ihr Opinel Schnitzmesser gern dabei und ihre Kuksa (kleiner Trinkbecher aus Skandinavien) hängt eh mit Lederbändel am Rucksack. Vielleicht hat euer Kind ne kleine Entdecker-Lupe die mit muss und gerade hoch im Kurs steht. Trinkflasche und Brotzeitbox kann man auch mit in den Rucksack geben, haben wir aber diesmal in unseren Rucksäcken mitgetragen, da wir auch nicht wollten, dass der Rucksack zu schwer wird.

Den Kindern beim Laufen realistische Zwischenziele zu vermitteln, erleben wir als hilfreich, da das große Ziel (die Hütte mit Kaiserschmarrn, der Gipfel, der Bergsee oben) oftmals zu weit weg und nicht greifbar sind. So vereinbaren wir oftmals auch mit unseren Mädchen zusammen nächste Etappen, Trinkpausen, Spielpausen, etc., die in der nächsten halben Stunde absehbar oder eben auch visuell für sie schon erkennbar sind. Generell sollte an dieser Stelle gesagt sein, dass für Kinder ohnehin der Weg das Ziel ist. Daher schon, wie bereits erwähnt, bei der Tourenplanung schauen, ob schöne Almwiesen, Bäche, Wasserfälle, Almen mit Tieren, Bergseen etc. Teil der Tour sind. Kinder wollen nicht unbedingt am Endziel/Gipfel/Hütte ankommen, sondern meist bei jedem Stein und jeder Bachmündung spielen. Genau deswegen ist es wichtig auf ihre Bedürfnisse einzugehen und sich Zeit zu nehmen mit ihnen auf dem Weg Steintürme zu bauen, Tiere zu beobachten und ihren Sammeltrieb von Steinen, Stöcken, Zapfen etc. ernst zu nehmen. Da wir aber auch Ziele erreichen wollen/müssen, haben diese Wünsche und Bedürfnisse unserer Kinder auch ihren Rahmen und ihre Zeit. Sie haben gelernt und verstehen auch, dass alles seine Zeit hat. Das Spielen, das Verweilen und das Wandern/Bergsteigen und vorwärts kommen müssen in eine sinnvolle Balance gebracht werden. Wichtig ist uns, dies rechtzeitig und immer wieder mit ihnen zu kommunizieren, damit nicht unnötig Druck und Frustration entstehen und auf sie abgeladen wird. Eine Faustregel: Wir verdoppeln in der Planung die ausgewiesene Gehzeit, wenn wir mit den Kindern unterwegs sind.

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Damit das Laufen und Bergsteigen Spass macht, stellen wir oft Fragen oder überlegen uns Spiele, die die Kinder zum Erzählen anregen, weil da die Zeit einfach am Schnellsten vergeht. Und unsere Kinder haben uns viel zu erzählen, wenn wir sie lassen. Beim Bergsteigen haben wir oft die Ruhe uns ganz und gar auf sie einzulassen. Das sollten wir nutzen. Aber auch eigene Geschichten aus unserer Kleinheit können mit Begeisterung erzählt werden und zur Abenteuergeschichte für die Kleinen werden.

Da Bergsteigen für die Kleinen ein Erfahrungs-, Lern- und Erlebnisfeld ist, versuchen wir sie oftmals einfach machen zu lassen. Unsere Mädchen sind wahrscheinlich wie fast alle Kinder darauf versessen Schätze zu sammeln. Ob Steine, Schneckenhäuser, Stöcke usw. Einige der Schätze werden tatsächlich bis zum Ende hindurch im Seitenfach des Rucksacks mitgetragen und zu Hause aufbewahrt, andere Schätze wie bspw. Stöcke werden teilweise mitgetragen und erfüllen so für kürzere Zeit bestimmte Aufgaben und Rollen für sie.

Gemeinsam Lieder singen und sich Lieder ausdenken oder Vorsingen lassen.

Geschichten ausdenken und erzählen, steht hier hoch im Kurs.

Auch Spiele wie “ich sehe was, was du nicht siehst”, Zähl-Spiele oder Rätsel machen sich gut.

Und ich bin mir sicher, ich habe wahrscheinlich nur die Hälfte der Dinge aufgeschrieben die ich mit euch teilen wollte, aber vielleicht wird die Liste hier in Zukunft fortgesetzt. Ein letzter Punkt fehlt noch. Einer, der mir sehr wichtig ist und bei dem ich glaube, dass er maßgebend dazu beiträgt, ob Kinder gerne Wandern/Bergsteigen oder nicht. Es ist unsere eigene Einstellung und Sicht. Was bewegt und motiviert mich Bergsteigen zu gehen. Was geniesse ich ganz besonders. Und an was erfreue ich mich. Dies zu Teilen und zu kommunizieren, trägt stark dazu bei unsere Kinder anzuregen, eben auch solche kleinen und großen Freuden zu sehen und zu erleben. Wenn wir hingegen nur verbissen dem Gipfel bzw. Ziel entgegen streben, dann wird das unsere Kinder nicht sonderlich motivieren. “Nicht die Kinder begleiten uns, sondern wir begleiten die Kinder beim Bergsteigen” (Zitat aus einem Faltblatt des ÖAV). Man muss gleichzeitg auch die mit dem Bergsteigen verbundenen Anstregungenen nicht schön reden. Hingegen zu sagen, dass wir den Aufstieg bspw. selber auch ganz schön anstrengend finden, uns aber wahnsinnig auf die Buttermilch oder den kaiserschmarrn auf der Hütte freuen und es super toll finden, wie sie da hinauf kraxeln, ist ehrlich und ermutigend. Unsere Kinder reden noch jetzt vom letzten Wochenende und am meisten darüber, dass sie ganz allein da hoch und runter gelaufen sind. Diese erste Erfahrung, dieses Erfolgserlebnis, dieses “zusammen gemeistert” und “allein geschafft”, dieses an Grenzen kommen, nicht mehr zu wollen und zu erleben man kann ja doch noch mehr, ja einfach die Erfahrung ein Stück an Selbstständigkeit gewonnen zu haben, wird sich einprägen und sie prägen. Da bin ich mir sicher. Das Wort “Substanz”, welches einer der Bergsteiger auf der Hütte verwendete als wir uns über Bergsteigen mit Kindern austauschten, bewegt mich noch immer sehr. Kindern Substanz mitgeben, indem man mit Ihnen Bergsteigen geht, sie Natur erleben lässt.

Weitere Tipps für “Bergferien mit Kindern” und Hüttenempfehlungen findet Ihr u.a. bei Alpenverein.at.

 

4 thoughts on “Bergsteigen mit Kindern 1/2017

  1. Hartmut

    Hallo,
    wir teilen die Erfahrung, dass man auch mit kleinen Kindern gut wandern kann – auch längere Strecken. Unsere Kinder haben wir auch schon früh daran gewöhnt, und mit der richtigen Mischung aus Motivation, Anstrengung und Abenteuer haben sie noch jede Tour ohne größere Probleme und mit viel Begeisterung hinter sich gebracht. Inzwischen, 9 und 12 Jahre alt, gehen sie Wege und Entfernungen, die für den einen oder anderen Erwachsenen eine Herausforderung wären!

    Wünsche euch weiterhin viel Spaß beim Wandern mit euren Kindern!
    LG aus dem hohen Norden,
    Hartmut

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    1. esther

      Servus Hartmut,
      vielen Dank für Deine Rückmeldung!
      Es ist ein wahre Freude mit den Kindern in der Natur unterwegs zu sein und die eigene Leidenschaft mit ihnen teilen zu können.
      Die Kunst liegt wohl auch drin, es ihnen schmackhaft zu machen, aber nicht (ungewollt) überzustülpen.

      Herzliche Grüße aus dem “Süden”,
      Christian

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  2. pieke

    Tappenkarsehutte was one of the first huttes we slept with our daughters! A serious climb on the first day, brave girls!
    we made a three day hike and slept the next night in the almhutte of the steinmanbauern. That was the best hutte we ever had. very small, no water inside, just a little electricity, but magic with the very old and super friendly Wert and Wertin.

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