Josephine Jenssen’s Gedanken über das Thema “Vereinbarkeit”

Auf unserem Blog „ourlittletreasuresoflife“ wollen wir, wie der Name schon sagt, Schätze aus verschiedenen Lebensbereichen mit unseren Leserinnen und Lesern teilen. Dabei wollen wir nicht nur unterhalten und inspirieren, sondern auch zeigen, welchen Aufwand diese Schätze manchmal bedeuten. Wir möchten auch der Frage vieler Leserinnen und Leser nachgehen: „Wie schafft Ihr das bloß?“ Und in manchen anspruchsvollen Bereichen unseres Lebens und Alltags fragen wir uns selbst immer wieder: „Wie kriegen wir das unter einen Hut?“ Es geht um Machbarkeit und Vereinbarkeit. Wir wollen uns verstärkt dem Thema Vereinbarkeit widmen und auch andere Perspektiven mit einbeziehen.


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Heute möchte ich Josephine Jenssen zu Wort kommen lassen und euch ihre Ansichten, Gedanken und Anregungen zu dem Thema „Vereinbarkeit“ vorstellen.

Josephine ist verheiratet und Mutter von zwei Kindern. Sie ist aus Berlin und lebt mit ihrer Familie dort. Josephine studiert Medizin und macht gerade ihr Praktisches Jahr. Dazu führt sie den Onlineshop Lila Lämmchen  für biologische Kleidung, Spielzeug usw. Und vor wenigen Wochen hat sie gemeinsam mit Freunden den Laden “Lila Lämmchen” in Berlin Kreuzberg, direkt am Spreeufer eröffnet, wo man nun auch die tollen Sachen aus ihrem Onlineshop sehen, befühlen und anprobieren kann.

Josephine und ich kennen uns nun schon eine Weile über die Plattform Instagram, wo wir Kooperationspartner sind. Ich durfte Josephine, ihre Tochter und Ihren Mann auch schon persönlich kennen lernen und kann nur sagen, dass ich von ihrer Herzigkeit, ihrer Wärme, ihrer Lebensfreude und Zuversicht jedesmal richtig angesteckt war. Mir begegnete bei unseren Treffen eine Frau die Stärke hat und Sachen anpackt. Die in ihrer Art Dinge zu sehen, zu hinterfragen und vorwärts zu bringen ganz viel Natürlichkeit und Weichheit hinein bringt. Ja, hier hatte ich den Eindruck begegnete ich einer offenen und  selbstsicheren Frau, mit der man eben auch deswegen so gut über alle möglichen Themen, ob sie gut oder nicht gut laufen, ins Gespräch kommen konnte…Ihr hört schon raus: ich mag sie sehr!


Wenn Du das Wort „Vereinbarkeit“ hörst, in welchen Lebensbereichen spielt es für Dich eine Rolle?

Wenn ich das Wort Vereinbarkeit höre, denk ich erst einmal: Ahhhhhh…  Das ist echt einfach total schwer! Etwas vereinbaren muss man ja erst dann, wenn es sich widerspricht oder auf irgendeine Weise nicht zusammen passt. Das ist bei mir zur Zeit vor allem in den klassischen Bereichen Familie und Beruf so. Und es passt vor allem zeitlich nicht, aber auch kräftemäßig. Da die Waagschale zu finden ist wirklich eine tägliche Herausforderung.

Das Thema Vereinbarkeit generell spielt für mich aber auch eine Rolle in meinen Versuchen, meine Leben möglichst so zu leben, dass es mit unserer Umwelt und unseren Mitmenschen vereinbar ist. Und das ist angesichts der enormen Ungerechtigkeit auf unserer Welt und der Ausbeutung unserer Natur eine Herausforderung die noch viel schwieriger, bzw. eigentlich nicht machbar ist. Und der Versuch mein Gewissen zu vereinbaren unterliegt da immer der Realität.

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Welcher dieser Lebensbereiche stellt Dich zurzeit am meisten auf die Probe, was Vereinbarkeit angeht? (Alternativ: Welcher ist Dir am wichtigsten?)

Ehrlich gesagt stellen mich beide Bereiche stark auf die Probe. Ich habe zwei noch relativ kleine Kinder, bin dabei mein Medizinstudium abzuschließen und bin selbständig mit einem Onlineshop zu dem wir gerade noch einen Laden eröffnet haben. Das ist alles sehr viel und oft stelle ich mir die Frage, wie ich das alles unter einen Hut bekommen soll. Meine Familie ist mir total wichtig. Das wichtigste sind die Kinder. Wenn ich das Gefühl habe, dass es ihnen im Kindergarten zu anstrengend ist (das kann ja mitunter auch richtig Arbeit für die Kleinen sein), dann hole ich sie früher ab. Aber dabei nicht in Stress zu kommen, ist dann wieder eine Herausforderung, die mir nicht immer gelingt… Oft versuche ich dann noch ein paar Sachen zu erledigen, wenn sie dabei sind. Noch ein Anruf, eine Mail, eine kurze Recherche… Aber das finde ich echt nicht gut. Die Kinder werden genervt, ich dann auch und es bleibt ein Gefühl der Zerrissenheit. So merke ich immer wieder, wie wichtig es ist, das gut zu trennen und bei dem, was man grade macht voll und ganz zu sein.

Aber auch wenn das ganze mit Familie und Beruf ein ganz schönes Jonglieren ist, ein Kompromisse schließen und ein Abwägen, so ist es doch irgendwie möglich. Es ist möglich es zu vereinbaren, vielleicht nicht zu jedem Zeitpunkt in perfekter und idealer Form, aber doch möglich.

Im Gegensatz dazu verhält es sich mit der Vereinbarkeit von Gewissen und Lebensweise nicht so. Die Ungerechtigkeit in der Welt ist einfach riesig, so unüberwindbar. Wenn ich allein diese ganzen Möglichkeiten betrachte, die mir geboten sind: Medizin studieren, einen eigenen Laden eröffnen, eigene Kinder groß ziehen, die alles bekommen was sie brauchen. Ein Dach über dem Kopf, Nahrung, Bildung. Viele wären froh, wenn ihnen nur einer dieser Punkte möglich wäre. Und dann ist unser ganzer Wohlstand ja einfach mal auch noch aufgebaut auf der Ausbeutung Anderer. Und klar kann man da handeln, im Kaufverhalten zum Beispiel. Aber so wirklich, wenn man nicht ganz Aussteiger werden will, habe ich keine Lösung. Das bleibt für mich eine Unvereinbarkeit.

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Vereinbarkeit hat oft etwas mit knappen Ressourcen (z.B. Zeit, Geld, Kraft etc.) sowie Konflikten (z.B. Interessen, Bewertung, Anforderungen etc.) zu tun. Kannst Du diese benennen?

Ja, für mich sind es vor allem Zeit und Kraft. Wenn ich von den beiden mehr hätte, könnte ich auch einiges mehr vereinbaren, klar. Ich schaffe eigentlich nie etwas fertig zu machen. Im Haushalt hinke ich vor allem mit der Ordnung hinterher. Ich kann echt nicht behaupten, dass es bei uns ordentlich sei. Immer wenn ich mit einem Zimmer fertig bin, ist ein anderes schon wieder völlig auf den Kopf gestellt. Auch  hab ich so viele Ideen, was ich im Kinderzimmer und der Wohnung alles schön machen könnte, aber ich komme einfach nicht dazu. Im Onlineshop komme ich zeitlich vor allem nicht hinterher, die Sachen rein zu stellen. Das ist eine recht aufwendige Sache. Erst müssen Fotos gemacht und bearbeitet werden, dann die Sachen reingestellt und beschrieben werden. Wenn ich da mit einer Lieferung fertig bin, warten bestimmt schon zwei neue.

Was hilft Dir aktuell bei der Lösung dieser Konflikte? Welche Strategien hast Du entwickelt? Gibt es Tools oder Produkte die Dir dabei helfen?

Ich finde es hilft vor allem mit dem Partner oder der Partnerin zu sprechen. Das hört sich so simple an, aber da muss man sich zwischen all dem was die ganze Zeit passiert Zeit für nehmen. Immer wieder. Zu versuchen, alles mit sich selber aus zu machen und es alles alleine zu schaukeln (dazu tendiere ich), ist das Schlimmste. Und Hilfe holen ist wichtig. Oma, Opa, Tanten, Onkel, Freunde. Ich finde, es ist nicht immer unbedingt leicht, darum zu bitten, vor allem nicht wenn es darum geht mal ein eigenes Bedürfnis zu stillen, aber es ist echt total wichtig.

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Wenn Du drei Wünsche frei hättest, was würdest Du Dir für die Zukunft wünschen?

Ich würde mir wünschen, einen guten Weg zwischen Familie und Beruf zu finden. Genug Zeit für meine Kinder, aber auch für meine Arbeit zu haben. Und für mich. Und für meine Freunde und meinen Mann. Eine gute Waagschale. Ich würde mir auch wünschen konsequenter zu sein in der Trennung zwischen Familie und Beruf. Und ich würde mir eine gerechtere Welt wünschen. Ich weiß, das hört sich jetzt so nach Miss World Wunsch an. Aber wenn ich wirklich einen Wunsch frei hätte, dann würd ich das wünschen!

Vielen Herzlichen Dank für Deine Teilnahme am Interview liebe Josephine und dass Du uns an Deinen Gedanken zu dem Thema teilhaben lässt!

*Fotos von Josephine Jenssen

10 thoughts on “Josephine Jenssen’s Gedanken über das Thema “Vereinbarkeit”

  1. Julia

    Ein tolles Interview. Danke! Die positive Energie und Dankbarkeit inspiriert… Ich meine auch, was Josephine sagt, dass vieles möglich ist, Arbeiten, Familie etc. wenn man Prioritäten setzt (und da stimme ich ihren zu) und nicht von sich verlangt, alles 100%ig zu machen. Und man ein gutes Team ist. Humor hilft auch. Trotzdem gibt es einfach Tage, wo ich denke, das ist doch alles Mist, es ist zuviel, ich werde den Kindern nicht gerecht, mein Kopf platzt, weil zu viele Dinge bedacht werden müssen und außerdem bin ich hundemüde. Da hilft dann durchatmen, dankbar sein – und so ein wunderbares Interview 😉

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    1. esther

      Liebe Julia.Danke für deine Gedanken dazu. Ich möchte jetzt gar nicht soviel hier hinzufügen da es ja Josephine’s tolle Gedanken sind. Aber ich kann voll und ganz mit dem mitgehen was du schreibst. Und das mit dem Humor ist ein toller Tip. Davon brauch ich unbedingt mehr 😉 Liebe Grüße, Esther*

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    1. esther

      Ach du. Wir sind halt alle anders. Und wenn ich anfange mich mit anderen zu vergleichen dann komm ich mir auch faul vor 😦 Und doch machen wir doch alle soviel wie irgendwie geht.Geben unser Bestes. Und haben alle auch unterschiedliche Ressourcen.Das zählt doch 🙂 Liebe Grüße, Esther*

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      1. Nancy

        Das stimmt wohl. Es geht auch immer doch noch mehr,obwohl man dachte, man sei schon am Limit.
        Danke für die Worte!

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  2. Anne

    Liebe Nancy, das ist verkehrt! Jeder sollte seine Prioritäten setzen und die Dinge in seinem Tempo machen. Mach so viel, wie gut für dich ist – was kümmert dich das Pensum einer Frau, die Du wahrscheinlich so wenig kennst wie ich? Liebe Grüße, Anne

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  3. Jana

    Ja, Josephine spricht ein Thema an, das auch in meinem Umfeld sehr präsent ist. Die Vereinbarkeit der Antworten auf die grundsätzlichen Fragen mit dem eigenen Gewissen. Ich wünsche mir, dass durch solchen Input schrittweise ein Erwachen und Umdenken bei vielen Leuten beginnt. Wenn sich viele engagieren, verändert sich auch etwas. Wenn alle denken, sie können nix machen, passiert ganz sicher nichts. Man muss nicht gleich zum Aussteiger werden, auch davor geht eine Menge. Gerade unter den Eltern, die hier die Zielgruppe sind, sind bestimmt viele motiviert – für sich selbst und die nächste Generation. Danke für diesen wichtigen Beitrag!

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  4. Katrin

    Hallo Esther, habt ihr mal überlegt, einen Post darüber zu schreiben, mit welchen Beiträgen jeder die Welt ein bisschen besser machen kann? Oder man könnte einfach herumfragen, was jeder so vorschlägt, der Jahreswechsel mit den neuen guten Vorsätzen steht ja an. 🙂

    Ansonsten ein schönes Interview, wobei ich denke: Wenn man so viel auf einmal macht (und man für die Projekte immer noch mehr machen könnte), ist es normal, dass man hin und wieder Zeitnot hat. Jeder kann sich dafür oder dagegen entscheiden, wie er/sie mag. LG, Katrin

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    1. esther

      Liebe Katrin,
      puuuhh ehrlich gesagt noch nicht.Aber das liegt bestimmt auch daran, dass wir beide momentan recht ausgelastet sind mit unserem jeweiligem Job und der Familie, dass wir gar nicht soviel Gedanken, Zeit und neue Projekte für den Blog im Kopf haben. Und der Blog beansprucht doch auch recht viel Zeit 😉 Aber ne schöne Idee, wirklich. Liebe Grüße, Esther*

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